Hanny Korevaar Vrouw in stad ca 1920 olieverf op doek 104 x 98 cm PV DH

Nachtleben – Han­ny Kore­vaar und Armand Bouten

11. April 2026 bis einschließlich 13. September 2026

Sie malten, was ihre Zeitgenossen lieber nicht sehen wollten

Mit Nachtleben präsentiert das Museum van Bommel van Dam erstmals seit fünfunddreißig Jahren die gemeinsamen Werke des Künstlerpaars Hanny Korevaar (1893 bis 1983, Amsterdam) und Armand Bouten (1893, Venlo bis 1965, Amsterdam). Sie malten, was ihre Zeitgenossen lieber nicht sehen wollten: die rauen Ränder der Stadt.

Erst in den letzten Jahrzehnten wächst das Interesse an diesen „un-niederländischen“ Expressionisten. Die ebenso talentierte Korevaar stand dabei lange im Schatten ihres Mannes. Nachtleben – Hanny Korevaar und Armand Bouten ermöglicht nun einem breiten Publikum die Begegnung mit dem rauen, eindringlichen und überraschend modernen Werk beider Künstler und schenkt zugleich der lange unbekannten Korevaar die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

11. April 2026 bis einschließlich 13. September 2026

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Seelenverwandte

Als Partner im Leben und in der Kunst entwickelten Hanny Korevaar und Armand Bouten ein eigenständiges Werk, in dem das Leben am Rande der Gesellschaft im Mittelpunkt steht. Von den turbulenten 1920er-Jahren bis zur armen Nachkriegszeit richteten beide Künstler ihren Blick häufig auf das nächtliche Stadtleben. Gassen, Cafés, Terrassen, Tanzsäle und Bordelle bildeten die Kulisse für Szenen von Armut, Sehnsucht und Verletzlichkeit. Ihre unverblümte Herangehensweise an das Nachtleben machte ihre Werke für viele Zeitgenossen zu gewagt.

Darüber hinaus blieb ihre Kunst lange Zeit dem großen Publikum verborgen. Eigenwillig wie sie waren, schlossen sich Korevaar und Bouten nicht Künstlervereinigungen an, stellten selten aus und verbrachten einen großen Teil ihres Lebens im Ausland. Sie hatten genug aneinander und an der Kunst.

Bommel van Dam 100226 03 kopie

Die Anfangsjahre

Hanny Korevaar und Armand Bouten begegnen sich um 1915 in Amsterdam, wo sie an der Rijksnormaalschool für Zeichenausbildung studieren. Nach und nach verschiebt sich ihr Interesse von Stillleben und ländlichen Szenen hin zum Nachtleben der Stadt. Sie fühlen sich im Leben außerhalb der etablierten Ordnung zu Hause. Die Farben werden heller, die Formen kantiger, und schwere Konturen verstärken die Ausdruckskraft ihrer Gemälde. Ihr Werk knüpft an innovative europäische Kunstbewegungen wie den farbenfrohen französischen Fauvismus sowie den deutschen und flämischen Expressionismus an. Für niederländische Verhältnisse ist ihr Werk ungewöhnlich direkt und ungehemmt. Korevaar muss sich mit vorherrschenden Vorstellungen auseinandersetzen, welche Kunst für weibliche Künstlerinnen „geeignet“ sei. Ihr expressiver Stil und ihre gewagten Motive fallen auf und sind ihrer Zeit weit voraus.

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Reiselust

Ab Ende 1922 reisen Hanny Korevaar und Armand Bouten als frisch verheiratetes Paar durch Südosteuropa. Besonders Ungarn und die dort angetroffenen Roma-Gemeinschaften regen ihre Fantasie stark an. Von diesem Zeitpunkt an nehmen Volkskunst und Menschen anderer Ethnien einen prominenten Platz in ihrem Werk ein. 1924 ziehen Korevaar und Bouten nach Paris, dem künstlerischen Zentrum Europas. Hier halten beide Künstler sowohl die Armut als auch den Glamour der 1920er-Jahre fest. Sie schaffen zahlreiche neue Werke und sind gut über die neuesten Entwicklungen der modernen Kunst informiert.

Bouten lässt sich von wichtigen Figuren der sogenannten Pariser Schule, etwa Marc Chagall, inspirieren. Außerdem experimentiert er mit Strömungen wie Dada, Kubismus, Futurismus und Surrealismus. Fragmentarisch stellt er das hektische Leben in der Großstadt dar. Korevaar hingegen sucht ihren Weg im Surrealismus, wobei Menschen, Tiere und städtische Elemente zu rätselhaften Figuren verschmelzen. Trotz glücklicher Jahre in Paris, schleicht sich allmählich ein düsterer Unterton in ihre Arbeit ein. Boutens’ Darstellungen werden düsterer, mit ausgemergelten Körpern und einsamen Figuren. Die befremdlichen, traumartigen Szenen von Korevaar scheinen sich in Albträume zu verwandeln.

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Armut

In den 1930er-Jahren ziehen Hanny Korevaar und Armand Bouten nach Brüssel, wo die drohende Kriegsstimmung zunehmend in Boutens Werk sichtbar wird. Die dargestellten Menschen wirken gezeichnet vom Leben und zeigen Anzeichen von Hunger, Erschöpfung und Verstümmelung. In Brüssel entstehen auch die meisten seiner Skulpturen: Arbeiten, die von afrikanischen Figuren inspiriert sind, die er als rein empfindet. Korevaar hingegen scheint aus unbekannten Gründen mit dem Malen aufgehört zu haben.

Als das Nachkriegsleben in Brüssel zu teuer wird, kehren sie 1953 nach Amsterdam zurück. Nach und nach stehen sie unter strenger Aufsicht des Sozialamts. Dieser Druck fällt ihnen schwer. Die Kunst bietet nun nicht mehr die Freiheit wie zuvor. Geld für Materialien fehlt, aber Bouten zeichnet weiter, oft auf Zeitungspapier. Ihre künstlerische Existenz endet tragisch: sie sterben arm und weitgehend vergessen. Bouten stirbt 1965, seine Frau überlebt ihn um achtzehn Jahre.

Wer ist der Schöpfer: Korevaar oder Bouten?

Die Ausstellung ist nicht nur ein Kennenlernen mit Hanny Korevaar und Armand Bouten. Sie wirft auch eine Frage auf, die Kenner seit langem beschäftigt: Wer hat was geschaffen? Da Themen und Stil von Korevaar und Bouten stark übereinstimmen, ist es nicht einfach, ihre Arbeiten voneinander zu unterscheiden. Zudem signierten und datierten sie ihre Gemälde und Zeichnungen lange Zeit nicht konsequent.

Hat Korevaar in den 1930er-Jahren wirklich aufgehört zu malen? Haben sie vielleicht an einzelnen Werken zusammengearbeitet? Oder wurden manche Kunstwerke zu Unrecht Bouten zugeschrieben? Nachtleben – Hanny Korevaar und Armand Bouten fordert die Besucher heraus, kritisch hinzuschauen, zu vergleichen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Hanny met Vrouw in stad Parijs ca 1925 Foto Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie nr 5020

Zurück nach Venlo nach 100 Jahren

Hanny Korevaar und Armand Bouten stellten zu Lebzeiten nur dreimal gemeinsam aus: zweimal in Amsterdam (1922 und 1924) und einmal in Venlo (1924). Für Korevaar waren dies sogar die einzigen Gelegenheiten, ihre Werke öffentlich zu sehen. Die Ausstellung in Venlo fand im Café-Restaurant National statt, einem prächtigen Festsaal direkt gegenüber dem heutigen Museum van Bommel van Dam, das später durch einen Brand zerstört wurde. Mehr als hundert Jahre später kehren ihre Werke nun an fast denselben Ort zurück.

Armand Bouten Drie vrouwen in een kamer 1922 olieverf o

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Unterstützung von:

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