Nächtliches Konzert

Nächtliches Konzert © Egon Notermans

uit NRZ
door Elke Wiegmann

Nächtliches Konzert
Das Museum van Bommel van Dam zeigt lautlose Musik fürs Auge. Mit Werke von Voigt und Hildebrandt.

Es muss eine durchzechte, vielleicht nicht ganz jugendfreie Nacht gewesen sein: Riesige Champagnerflaschen und Bierpullen säumen den Bilderrahmen. In der Mitte reihen sich Kassettenbänder mit dem The Cure-Song „Pornography“ darauf als fragiles Linienmuster aneinander, geformt zu einem geometrischen Kunstwerk. Es ist Gregor Hildebrandts Erinnerung an einen Abend mit Freunden. Der Künstler hält den Moment und seinen Klang auf dem flüchtigen Medium fest. Zunächst, indem er den Musiktitel der Nacht wieder und wieder auf ein Kassettenband aufnimmt, das er später abrollt, schneidet und zu einem statischen, dunklen Bild aus feinen Bandstreifen formt. Die lautlose Musik, das Szenario erklingt und erscheint dem Betrachter des Werkes dann nur noch in der eigenen Fantasie.
Zu sehen sind die Arbeiten des Berliner Künstlers derzeit in der Ausstellung „Nächtliches Konzert“ im Museum van Bommel van Dam in Venlo.Gemeinsam mit den Werken der jungen deutschen Künstlerin Jorinde Voigt wird hier die erste große Präsentation der Arbeiten der beiden Berliner Künstler in den Niederlanden gezeigt. Im Mittelpunkt ihrer Werke stehen Pop- und Filmmusik oder Straßengeräusche, die in Collagen, Bildern und Installationen visualisiert werden, aber nicht zu hören sind. „Ihre Werke beschäftigen sich mit Musik, Klängen und Geräuschen, aber auf sehr unterschiedliche Weise“, sagt Drs. Saskia van de Wiel, Kuratorin der Ausstellung. Beide Künstler halten Klangerfahrungen in extrem arbeitsintensiven Bildern fest: „Gregor Hildebrandts Werke sind dunkel und massiv, während Jorinde Voigt schwungvolle, helle, zarte Linien zeichnet.“ Und auch inhaltlich zeigen sich die Arbeiten der beiden Künstler sehr konträr: Während Voigt Klänge analysiert, strukturiert und in hoch komplizierten Mustern auf der Leinwand verarbeitet, sucht Hildebrandt den leichteren, spielerischeren und oft augenzwinkernden Ansatz, um Melodien und Töne für das Auge aufzubereiten. „Ihre Werke regen zum Nachdenken an“, meint van de Wiel. Und lenken den Blick auf eine ganz andere Musikerfahrung: eine lautlose.

Die Ausstellung „Nächtliches Konzert“ im Museum van Bommel van Dam, Deken van Oppensingel 6, in Venlo, ist noch bis zum 15. April zu sehen. Neben einer Publikation zur Ausstellung können auch einzelne, kleinere Arbeiten der Künstler aus einer exklusiven Edition erworben werden. Weitere Infos: www.vanbommelvandam.nl

in Neuigkeiten | Verschlagwortet mit , , , , |

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.